Foto zum Video Hypnosetherapie
Zum anschauen des Videos Bild anklicken

Bitte nicht stören: Bahn frei für die Therapeuten

1989 begann ich im „Verein für Reittherapie von Behinderten e.V. Oberursel-Bommersheim“ als junge Physiotherapeutin mit Hippotherapie Lizenz und dem Reitwart in der Tasche die Hippotherapie. Damals steckte die Hippotherapie noch in den Kinder­schuhen. “Heute gilt die Kranken­gymnastik auf dem Pferd als eine der wirksamsten Be­hand­lungs­methoden innerhalb der Physio­therapie, denn die Ausstrahlung, Wärme und gleichmäßige Bewegung des Pferdes tragen maßgeblich dazu bei, (schwer-)behinderte Patienten zu entkrampfen, den Rumpf zu kräftigen und dem Gleich­gewichts­sinn durch das Sitzen in der Bewegung neue Impulse zu geben”.

Zunächst war ich fachliche Leitung, später 1. Vorsitzende. Ich hatte bereits zahlreichen Fach­veröffentlichungen und mir in meiner Branche einen Namen gemacht. Als ehemalige oberhessische Bezirks­meisterin in der Vielseitigkeit, die als Kind beim Gründer des Kuratoriums für Therapeutisches Reiten – Gottfried von Dietze – ritt, war mein Traum einer eigenen Therapiestätte geboren. Unterstützt von meiner Schwester Birgit sowie von Kersti Rodis und Tom Knauer.

Nervenstarke Pferdestärke

Aber Moment – da fehlen doch noch welche aus dem Team? Richtig! Die wichtigsten Mitarbeiter von mir, nämlich Hindu, Chyras, Mulin Rouge, Mr. Monkey Comtessa, Tecumseh, Baccardi und Toska, dürfen wir natürlich nicht vergessen. Ohne diese Pferde, die teilweise Privat­reitern gehörten und dankens­werter­weise der Therapie zur Verfügung gestellt wurden, lief im wahrsten Sinne des Wortes nichts, denn: „Allein durch ihre Bewegung erfahren die Patienten eine starke körperliche Verbesserung und finden einen ganz neuen Zugang zu sich selbst“. Die zentrale Rolle meiner vierbeinigen Assistenten. Diese müssen für ihren Job neben einem gleichmäßigen Gang (überwiegend Schritt, manchmal auch „Jogtrab“) vor allem eines mitbringen: Nervenstärke! Die zeigt sich bereits beim Aufsitzen über die klappbare Aufsitzrampe, wo die Pferde unbeweglich stehen müssen, damit die Patienten, die teilweise im Roll­stuhl sitzen, sicher auf die Vier­beiner gesetzt werden können. Dass auch hochkarätige Dressur­cracks diese Arbeit lernen und mit besonderer Bravour bewältigen können, konnte man jede Woche bei Baccardi von und mit Vereinsmitglied Axel Pöschmann sehen (Hemiparese links im Jogtrab).

Damit die tierischen Therapeuten den Spaß an der Arbeit behalten und ausgeglichen bleiben, dürfen sie nicht nur täglich auf die Weide, sondern manche von ihnen genießen sogar einmal im Jahr ihre Sommer­frische im Vogelsberg. Den Beweis, dass man auf diese Weise bis ins hohe Alter seinen Aufgaben nach­gehen kann, lieferte der in unserem Verein weit bekannte „Therapieprofessor“ Hindu. Der vom Frauenring Oberursel gespendete Norweger trat 1984 seinen Dienst an und ist erst in diesem Frühjahr im Alter von 30 Jahren in den Pferde­himmel zu seinen Kollegen umgezogen.

Das ganze Team freute sich über jeden Fortschritt, den ihre Patienten machen. Zu diesen Erfolgen trug auch der Reitverein einen wichtigen Beitrag.

2019 „Hippotherapie wird nicht mehr von der Krankenkasse erstattet und ist generell gefährdet. Daher sind wir dem Reiterverein St. Georg Oberursel-Bommersheim sehr, sehr dankbar, dass er unsere Arbeit durch die Bereitstellung der Halle und die entsprechende Ausstattung so viele Jahre stark unterstützt hat!“

Mangels junger Nachfolger, als Therapeut oder als Helfer, mussten wir schweren Herzens den Verein 2021 nach Corona auflösen.